Inklusive Beschulung – ein UN-Menschenrecht! (CESG Nr. 4)

Claire Funke macht private Care-Arbeit (Kindererziehung und Pflege von Angehörigen und Kindern) sichtbar. Damit will sie erzielen, dass Fürsorgearbeit aufgewertet wird und arbeitende Frauen nicht unverschuldet in Armut geraten.

Gerne unterstütze ich dieses Projekt mit dem unten angehängten Interview.
Ein Kind mit Beeinträchtigung oder Behinderung großzuziehen erfordert viel Hingabe zum Kind. Liebe sowieso! Formal bin ich eine „Pflegende Angehörige“. Gefühlt bin ich Mama. In den Gedanken der Politiker pflegen Angehörige aber vor allem Senioren und dies über einen begrenzten Zeitraum. Erst vor Kurzem hat man die Demenz entdeckt aber Kinder mit Behinderungen? Uhh, da will man nicht recht hinschauen hab ich das Gefühl. Wir werden aber unseren Sohn ein Leben lang pflegen.

Ein schreckliches Bild kommt mir in den Sinn. Momo ist weder alt noch gebrechlich. Er lernt nur langsamer, braucht mehr Zuwendung und das Gefühl willkommen zu sein. Der Achtjährige braucht das Vertrauen, dass er über sich hinauswachsen kann. Er braucht ein Umfeld, das an ihn und sein Wachstum glaubt. Er braucht mich jetzt noch als Bezugsperson – ich kann nicht Vollzeit arbeiten gehen. Ich will für ihn da sein!

Strukturen, welche schwerpunktmäßig das Lebensende in den Blick nehmen und Ressourcen nur bei Verschlechterung freigeben, unterstützen uns nicht. An Mütter wie mich wird nicht gedacht.

Es gibt für uns viel zu tun, denn eines meiner Kinder passt nicht in den gesellschaftlich vorgedachten Maßanzug und so müssen mein Mann und ich immer überlegen, wie etwas für Momo passend gemacht werden kann. Reibungen mit der Außenwelt gehören da quasi zum Konzept.

Menschen wie mein Sohn wurden als unsichtbar erklärt und es scheint so, als hätte man einfach vergessen, dass es sie gibt. Von keinem vernünftigen Menschen ist das böse gemeint.

Herzlichen Dank, liebe Claire, dass du den ganz normalen Alltag sichtbar machst und dich nicht scheust die Haustüren zu öffnen, um vergessene und unbekannte Welten mitten in Deutschland zu entdecken.

Jetzt aber viel Spass mit Claires Interview:

 

 

 

Mama streikt

Mein viertes Interview im Rahmen des Projekts „Care eine Stimme geben“ habe ich mit Marianne Nickl (36, hat zuletzt als wissenschaftliche Mitarbeiterin für eine Inklusionsstudie gearbeitet) geführt. Sie ist verheiratet, Mutter von 2 Kindern (3 und 8 Jahre alt) und bloggt über ihr „inklusives Leben mit Fragilem-X-Syndrom“ auf Fix und Fraxi. Aufgrund ihrer beruflichen Erfahrungen mit Inklusion, sowie der persönlichen Betroffenheit bei Schwierigkeiten mit der Inklusion von ihrem Sohn, hat Marianne die Facebookgruppe „Inklusion als Veränderung des Bildungssystems“ gegründet. Über ihren Blog (Fix und Fraxi, oben verlinkt) und die Facebookseite steht die 36-Jährige für einen Austausch zum Thema Inklusion zur Verfügung.

Fragiles-X-Syndrom

Hierbei handelt es sich um eine genetische Veränderung auf dem X-Chromosom. Diese kognitive Behinderung geht unter anderem mit Intelligenzminderung einher, die, je nach Ausprägung, eine leichte Lernbehinderung sein kann, bis hin zur geistigen Behinderung. Dazwischen ist alles möglich. Je nach Kind können noch andere Symptome dazu kommen…

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