Wie du im Kindergarten von Integration zu Inklusion kommst.

Momo kam in den zuständigen Regelkindergarten. Die Leitung hielt ihn damals für „nur“ entwicklungsverzögert, also für einen leichten Fall. „Der sich sicher bestimmt schnell einfügen wird, in ihr KONZEPT!“ Der Kindergarten fing damals gerade erst an Kinder mit Beeinträchtigung eine Chance zu geben. Hätten wir damals schon die Diagnose und den IQ gewusst wäre Momo sicher gar nicht aufgenommen worden! Durch seine Imitationsfähigkeit fiel er unter den Kindern erst nicht großartig auf.

Beispiele aus dem Konzept:

  • Die Kinder sollen sich selber entwickeln, angeleitete Tätigkeiten wie bspw. Basteln oder Gesellschaftsspiele werden nur selten, im Rahmen von Projekten, angeboten. Zentral ist das freie Spiel.
  • Ein Kind soll sich Hilfe aktiv holen, es muss erkennen für was es Unterstützung braucht und dann bei der Erzieherin anfragen.
  • Alle Erzieherinnen sitzen um einen großen Erziehertisch und warten darauf angesprochen zu werden.
  • Morgens, beim Bringen gibt es an der Tür des Gruppenraumes eine rote Linie; ab dieser Grenze müssen die Kinder selbständig zum Erziehertisch gehen und ihre Bezugsperson begrüßen.

Momos Bedürfnisse:

  • Sich selbst zu strukturieren fällt ihm schwer, er braucht viel Anleitung, klare Regeln und viel Begleitung in allen Lebensbereichen.
  • Überlässt man Momo sich selbst, dann macht er immer wieder das Gleiche. Neues Wissen oder neue Spiele müssen mit ihm zusammen erkundet und eingeübt werden.
  • Momo ist sprachverzögert und traut sich im Kindergarten gar nicht zu sprechen…
  • Er will sich morgens nicht am „großen Tisch zeigen“.

…er geht unter, findet nicht ins Spiel wird missverstanden – soll sich einfügen – kann es nicht… Das Konzept passt nicht zu ihm und trotzdem ist er gern unter den anderen Kindern.

Wir Eltern müssen andauernd die Ungereimtheiten zwischen dem Konzept und den Bedürfnissen des Kindes aufdecken, unzählige Gespräche führen, ständig darum bitten, dass man den Bedürfnissen des Kindes gerecht wird. Dies wird immer mit dem Konzept abgeglichen. Er brauche es sich selbst zu spüren und so verbrachte Momo knapp zwei Jahre hauptsächlich im Bällebad. Nein, mehr Struktur war erstmal nicht möglich! Wir Eltern wären zu streng zu unserem Kind, er brauche Zeit sich zu erholen. Wir sollten dankbar sein, dass er in diesem Kindergarten sein darf. Allternativ gab es die HPT.  Anziehen, Waschen, Tischmanieren, Vorschulwissen etc. mussten wir somit dem Kind selbst beibringen und sind dazu an fast jeden Nachmittag zu einem anderen Therapeuten gefahren. 

Fazit: 

Es war nicht möglich Momo in das Konzept des Kindergartens zu integrieren. Die  Integration kam an Ihre Grenzen! Erklärt wurde vom Kindergarten aber, dass dieses Kind nicht inklusionfähig sei – also eine HPT das richtige wäre. Inklusion habe eben Grenzen!

Hier zeigt sich, dass Inklusion eben keine Integration ist!

 Inklusion verlangt, dass sich Konzepte an den Bedürfnissen aller Kinder orientieren. Denn nicht das Kind soll passend gemacht werden sondern die Einrichtung also auch das Konzept muss sich verändern! Inklusion kann keine Grenzen haben, denn die Institutionen haben den Auftrag jede vermeintliche Grenze zu überwinden.

Hart gekämpft und…

Jeden Tag wurde den Erzieherinnen von uns die Inklusion erklärt, indem man gemeinsam Schwierigkeiten überwunden hat. Momos Lieblingserzieherin konnte zum Glück vieles gut umsetzen auch wenn sie dadurch bei Ihrer Chefin aneckte.

…gewonnen. Für Momo wurde letzlich eine Individualbegleitung eingestellt. Die sich für unseren Jungen als Bezugsperson erwies. Durch persönliche Zuwendung und gezielte Herausforderung lernte Momo viel dazu. Von alleine wäre das niemals in diesem Umfang möglich gewesen.

 

 

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