Was passiert, wenn du für die Inklusion deines Kindes kämpfst…

Heute, am Tag der Menschenrechte wird Momo sein Adventskalenderblatt in der 2. Klasse vorlesen. Sollte er sich nicht trauen darf der Schulbegleiter ein Video zeigen, das Momo beim Lesen des Textes zeigt (Wir durften am Wochenende üben).

Heute wird Momos Lehrerin – ein Mensch mit Herz, das Rechnen im Zahlenraum bis 100 mit den Montessori-Rechenstäbchen (Perlenmaterial) für alle Kinder einführen. Momo darf ihr assistieren. Dieses spezielle Rechenmaterial braucht Momo um rechen zu lernen, damit kann aber auch jedes andere Kind ganz leicht mathematische Zusammenhänge verstehen.

Diese kleine Wunder passiert tatsächlich in der selben Regelgrundschule nur ein Klassenzimmer neben dem, in welchem man Momo und uns deutlich machen wollte, dass eine Regelschule ihm nicht gerecht wird, man wollte uns glauben machen, dass er dort weder Schreiben noch Rechnen lernen wird. Ganz einfach nur, weil sich die erste Lehrerin für nicht kompetent hielt, nicht verstehen konnte dass Momo nichts extra braucht außer etwas mehr Zeit und Geduld. Das Rechenmaterial hatte die erste Lehrerin Momo nicht gelassen: „er würde es nicht wollen“, „er würde unsachgemäß damit umgehen“.  Sie wollte m.E. nach keinen Weg suchen. Für sowas gibt es spezielle Förderschulen und das sagte sie mir offen ins Gesicht. Das es für „Grenzgänger“ wie Momo gar keine spezielle Schule gibt und die Regelschule der richtige Ort zum lernen für ihn ist, wollte sie nicht glauben.

Momo liest heute dank eines Lehrerwechsels – einen Wechsel lediglich in das benachbarte Klassenzimmer. Gelernt hat er das wie alle anderen Kinder von einer wohlwollenden Regelschullehrerin – natürlich hatte er die großartige Unterstützung des Schulbegleiters und von klein auf von der Montessori-Therapie.

Vor ein paar Tagen sagte ich bei einer öffentlichen Diskussion unverblümt meine Meinung zur Inklusion im Landkreis. Und jetzt möchte sich der größte Träger für Behindertenarbeit mit mir austauschen, denn die Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung haben vor, sich für alle Kinder zu öffnen und inklusive Strukturen zu entwickeln. Meine Meinung würde deren Meinung voll widerspiegeln – ich bin gespannt…

Zudem kam eine befreundete Lehrerin aus einer Mittelschule auf mich zu, sie unterrichtet bereits eine Regelschulklasse in Kooperation mit einer „Lernbehindertenschule“. Auch diese Schule will sich weiterentwickeln, sich für alle Kinder öffen.

Es gibt Hoffnung…!

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2 Kommentare

  1. Genau das ist es! Inklusion beginnt im Kopf und muss über das Herz und das Gefühl den ganzen Menschen erreichen. Dann geht viel mehr als manche sich vorstellen. Es hat auch ein bisschen was mit Bequemlichkeit von manchem Lehrkörper zu tun – „dafür sind wir gar nicht ausgebildet“ etc. wird immer noch vorgebracht. Sage das mal ein Arbeiter in der Industrie. Dem würde sein Chef antworten: „Entweder bildest Du dich weiter oder Du gehst.“
    Es ist schade, dass es Inklusion nur dann für die betroffenen Kinder gibt, wenn ihre Eltern kämpfen wie Löwen! Dabei ist es ein Menschenrecht. Doch solange die Verantwortlichen bei Weigerung nicht am eigenen Geldbeutel gezwickt werden, wird es so bleiben.
    Ich kämpfe auch schon seit 12 Jahren und habe dabei meine Gesundheit eingebüßt – das ist meine feste Überzeugung. Müsste man nicht sinnlos seine Energie verschwenden mit Grundsätzlichem wie dem Recht, eine Regelschule zu besuchen, das pausenlos infrage gestellt wird, könnte man sein Kind noch viel mehr unterstützen und voranbringen.
    Das, was Richard von Weizäcker zu Behinderung gesagt hat und das unzweifelhaft richtig ist, wird nur von Vielen ignoriert. Sie fühlen sich so sicher, dass ihnen nie etwas zustoßen könne – sie täten doch alles dafür und wer alles richtig mache, würde automatisch mit Gesundheit belohnt. Bei diesem fehlenden Problembewusstsein zu einer gesellschaftlichen Änderung zu kommen, ist eine Herkulesaufgabe. Doch: Resignation ist keine Option!

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