behindert

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Na, dass unser Kind „nicht ganz normal“ war – wussten wir schon. Deshalb waren wir ja dort, im Sozialpädiatrischen Zentrum. Aber was ist schon normal… Wir waren dorthin gefahren, weil wir uns Hilfe erhofften, für einen Jungen, der sich etwas langsamer entwickelt. Wir wollten wissen was wir tun können, um unser liebes Kind glücklich groß und möglichst schlau zu bekommen! Momo wollte nicht sprechen, schien aber alles zu verstehen, sonst war er sehr brav – ein angenehmes Kind – nur nicht neugierig oder frech. Eben leider nicht so wie Kinder in seinem Alter zu sein hatten.

Unsere Freunde nannten ihn: „Little Buddha oder „kleiner Professor“. Weil er so ein wohlwollendes Lächeln, eine angenehme Ruhe und einen allwissenden Ausdruck hatte.

Dann wurden Gutachten erstellt, die meinen großartigen Jungen als den Mangel in Person beschrieben. Mein kleiner Junge wurde definiert durch eine beschämende Schwächenliste dargestellt in Zahlen, die fast allesamt negativ abweichend zu den Mittelwerten waren. Unser flappsig, wohlwollendes „nicht Normal“ war nun in bedrohliche Zahlen betoniert. Doch alles Entsetzen half nichts. Nur dadurch bekam Momo einen Integrationsplatz im Kindergarten und die nötige Unterstützung, um sich gut zu entwickeln.

Zu dieser Zeit sagten die Erzieherinnen; „Ach, der lernt eben etwas langsamer, das wird schon noch.“

Als Momo vier Jahre alt war bekamen wir die Diagnose Fragiles-X-Syndrom. Von einem Tag auf dem anderen war gar nichts mehr normal. Das Gutachten hatte jetzt den Zweck ihm einen Zugang zum Behindertendorf am Rand der Gesellschaft zu eröffnen.  Denn ohne anständige Inklusionsmaßnahme für Momo brauchte er später eine „geeignete“ Sonderschule. Gemeint war die Schule für Geistig Behinderte. Und über Inklusion konnte man nur milde lächeln. Da sei man noch sehr weit weg davon.

Momo war immer noch der gleiche Junge mit vielen Stärken und Schwächen.

Im Regelkindergarten waren sie jetzt plötzlich „einem Kind wie ihm“ nicht mehr gewachsen. Plötzlich war alles schwierig, ob man ihn überhaupt in die Vorschule zu den anderen lassen sollte? Bestimmt überfordere ihn der Umgang mit Zahlen und Buchstaben und dann können „solche“ Kinder“ aggressiv werden! Aggressiv… mein „Little Buddha“…?

Einige Tage vor Eröffnung der Diagnose meinten die Erzieherinnen mit „unsere Kinder“ kommen dann in die Vorschule auch Momo!

Aber ab der Diagnose wurde Momo im Kindergarten im geistigen Wachstum behindert – niemals mit bösem Willen, niemals mit schlechten Absichten. Einfach nur indem man keine Anforderungen mehr an ihn stellte. Indem man ihm nichts mehr zutraute, ihn nicht herausforderte. Man dachte, das arme Kind ist dem eh nicht gewachsen. Wir haben es aber trotzdem lieb. Jetzt hatte die Kindergartenleitung plötzlich ständige Angst das behinderte Kind zu überfordern. Verblendet von ihrer Vorstellung eines geistig behinderten Menschens kamen sie nicht mehr auf pädagogisch legitime Fragen wie: „Könnte das Kind auch unterfordert sein, wenn es nicht mitmachen mag?“

Jetzt sagten die Erzieherinnen das braucht er nicht zu machen, da überfordern wir ihn nur. Das kann er ja nicht können bei so einer Behinderung.

 

 

Erst Frau Anderlik in der Montessori-Therapie half uns. Wollte Momo keine kleinen Zahlen lernen dann gab sie ihm Tausender Würfel und siehe da sein Interesse wurde geweckt. Er arbeitete intensiv und ausdauernd an seinem Zahlenverständnis. Statt 1, 2, 3 zu zählen durfte er nun 1000, 2000, 3000 zählen.

Die Montessori-Therapeuten meinten, dass wäre alles ganz normal:

Alle kleinen Kinder lieben große Zahlen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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